25/2004 REIFENEMPFEHLUNG
Die Reifenwahl für die BMW R 1200 GS hängt stark vom Einsatzzweck ab. Wer seine GS häufig durchs Gelände scheucht, der kommt an einem Continental TKC 80 oder – für noch gröbere Erdarbeiten – dem Metzeler MCE Karoo nicht vorbei. Beide verfügen über ein grobstolliges Profil, das bei losem und rutschigem Untergrund Vorteile bietet, weil sich die Reifen nicht so schnell mit Schlamm zusetzen. Da die beiden Paarungen laut Geschwindigkeitsindex das Tempo der GS auf 160 beziehungsweise 170 km/h begrenzen und ihre Stärken bekannter-maßen nicht auf Asphalt haben, werden sie hier nicht näher behandelt.
Bridgestone BT020
Der BT 020 ist ein alter Bekannter, der nun auch für die BMW R 1200 GS mit dem 19-Zoll-Vorderrad erhältlich und freigegeben ist. Als ausgewiesener Tourensportreifen ist der BT 020 die beste Empfehlung für alle,
die die GS ausschließlich auf befestigten Straßen bewegen und viel Wert auf guten Grip beim Kurvenräubern legen. Sehr präzises Einlenkverhalten, klares Feedback und hohe Stabilität in Kurven zeichnen die Reifenpaarung im Trockenen wie auch im
Nassen aus. Einzige Schwäche, die man dem BT 020 ankreiden könnte, ist die Optik. Als Straßenreifen passt er nicht unbedingt zum Enduro-Look der GS, was aufgrund seiner Qualitäten aber leicht zu verschmerzen sein dürfte.
Bridgestone Trail Wing TW 101 L/TW 152 L
Der Trail Wing von Bridgestone kann mit dem BT 020 aus gleichem
Hause nicht ganz mithalten. Obwohl er keine gravierenden Schwächen besitzt, sind Lenkpräzision und Feedback einfach eine Klasse schlechter, was aber angesichts des gröberen Profils mit wesentlich mehr Negativ-
anteil nicht verwundert. Keine Blöße gibt sich der Trail Wing in der Fahrstabilität. Selbst vollbeladen und mit Koffern bestückt bleibt die GS sicher auf dem einmal eingeschlagenen Kurs. Im Offroad-Bereich kommt diese Paarung jedoch rasch an ihre Grenzen. Lediglich auf Schotter kann der Reifen überzeugen. Wird es richtig rutschig oder gar schlammig, setzen sich seine Rillen schnell zu, und er muss seine Waffen strecken.
Dunlop D 607 F/G
Auffallend unauffällig benimmt sich die Dunlop-Paarung auf der GS.
Sehr guter Geradeauslauf auch bei hohem Tempo und die Stabilität in Kurven überzeugen. Besonders auf welligen und holprigen Pisten können die Dunlops mit ihrer guten Eigendämpfung und Stabilität punkten.
Beim Bremsen in Kurven ist nur ein geringes Aufstellmoment zu spüren.
In Sachen Feedback, Grip und Handling kommt der D 607 jedoch nicht an den Bridgestone BT 020 heran. Trotzdem ist der Dunlop ein empfehlenswerter Reifen für den Alltag oder die große Urlaubstour. Denn
wer nicht immer auf der letzten Rille unterwegs ist und nicht allen Wert auf Grip legt, der kann mit dem unkomplizierten und komfortablen Dunlop D 607 glücklich werden.
Metzeler Tourance
Standardbereifung für die 1200 GS ist der Metzeler Tourance – eine gute Wahl. Als Enduro-Reifen liegt er mit dem Michelin Anakee gleichauf und kommt dem Bridgestone BT 020 auf der Straße am nächsten. Vorbildlich sind der tolle Abrollkomfort sowie das sehr gute Nassfahrverhalten. Mit dem guten Grip und dem präzisen Feedback machen sogar Regenfahrten richtig Spaß. Nur beim Handling muss man Zugeständnisse machen. Da benötigt die mit Metzeler bereifte GS beim Einlenken etwas mehr Nachdruck, um in die Ecke zu biegen. Erst mal in Schräglage, überzeugt der Tourance dagegen mit einer sehr hohen Stabilität und Lenkpräzision. Alles in allem: ein sehr guter
Allrounder, der auch in leichtem Gelände seinen Fahrer nicht im Stich lässt.
Michelin Anakee
Der erst letztes Jahr präsentierte Michelin Anakee liefert auf der bayrischen Großenduro eine sehr gute Vorstellung. Etwas handlicher als
der Metzeler Tourance, eignet er sich noch besser für GS-Fahrer, die
die Alpen oder ähnliches Terrain bevorzugen. Grip bietet der Reifen im Trockenen wie im Nassen für einen Enduroreifen mehr als genug, auch wenn der Grenzbereich relativ schmal ist. Hervorzuheben sind die enorme Bremsstabilität und die hohe Lenkpräzision. Im Gelände gilt für den Anakee allerdings das gleiche Urteil, wie für seine Konkurrenten: Für leichte Schotterstraßen vollkommen ausreichend, sind bei feuchtem Untergrund, wo sich die Rillen mit Schlamm zusetzen können, schnell die Grenzen erreicht.
|